Über mich

Ich bin Künstlerin und arbeite mit Papier als aktivem Material.

Mich interessiert nicht, was ein Material darstellen kann, sondern was es tut. Papier ist in meiner Arbeit kein neutraler Träger, sondern Körper, Membran und Widerstand zugleich. Es reagiert, setzt sich, reißt, trägt Spuren – und wird so zum handelnden Akteur im Entstehungsprozess.

Meine Arbeiten bewegen sich in reduzierten Ordnungen. Monochromie und Wiederholung dienen dabei nicht der Vereinfachung, sondern der Verdichtung. Wenige Mittel erzeugen eine erhöhte Präsenz: von Oberfläche, Struktur und Zeit. Ich verstehe Oberflächen als Körper – als Haut, Kruste oder Sediment –, nicht als Bild, sondern als physische Erfahrung.

Im Zentrum meiner Arbeit steht die Frage nach Halt:

Was hält etwas zusammen?

Und wann beginnt es, sich aufzulösen?

Ich arbeite mit Ordnungssystemen, um ihre Fragilität sichtbar zu machen. Wiederholung wirkt dabei weniger strukturierend als regulierend – als Versuch, Verbindung aufrechtzuerhalten unter Bedingungen von Instabilität. Risiko ist ein notwendiger Teil meiner Prozesse; Materialwiderstand kein Störfaktor, sondern Motor.

Papier fungiert für mich als Denkfigur. Es markiert Übergänge, Grenzen und Zwischenräume. In diesem Dazwischen – zwischen Kontrolle und Geschehenlassen, Fläche und Körper, Ordnung und Zerfall – entsteht meine künstlerische Praxis.

Ich lebe und arbeite in der Nähe von Köln.

Werkentwicklung

Meine künstlerische Arbeit entwickelt sich aus einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Material, Ordnung und Zwischenraum. Ausgangspunkt ist zunächst die Suche nach Form und Legitimation. Früh zeigen sich Interessen an Oberfläche, Struktur und Wiederholung, noch stark geführt von äußeren Vorgaben und konzeptueller Kontrolle.

Mit dem Beginn des Studiums verschiebt sich der Fokus: Material wird zum Erkenntnisraum. Papier, Wachs, Druck und Fotografie eröffnen Prozesse, in denen Intuition, Experiment und Widerstand eine zentrale Rolle spielen. Reduktion bedeutet dabei keine Vereinfachung, sondern Verdichtung. Ordnungssysteme entstehen, um ihre Fragilität sichtbar zu machen.

In seriellen Arbeiten – etwa im Quadrat oder im Netz – wird Wiederholung zu einem Mittel, Verbindung unter instabilen Bedingungen zu untersuchen. Material reagiert, verändert sich, widersetzt sich. Papier fungiert zunehmend als Körper, Haut oder Membran, nicht als neutraler Träger. Oberfläche wird zur Erfahrung.

Phasen konzeptueller Abstraktion wechseln sich mit einer erneuten Rückkehr zum Körperlichen ab. Nach einer gesundheitlich bedingten Zäsur wird das Arbeiten selbst zum tastenden Prozess: Nähen, Überziehen, Verhüllen und Schichten verhandeln Verletzung, Schutz und Unumkehrbarkeit. Kunst entsteht hier weniger als Ergebnis denn als Handlung.

Aktuelle Arbeiten bündeln diese Erfahrungen. Seriell gesetzte Formen erzeugen Bewegung im Stillstand, Sog und Drift. Ordnung wird nicht behauptet, sondern gehalten – dort, wo sie zu kippen droht. Mein Werk kreist nicht um Struktur an sich, sondern um die Frage, wie Verbindung möglich bleibt unter Bedingungen von Fragilität.