Werksreihe 14 (2025–2026)
Papier · Bewegung · Sog
Diese Werkreihe befindet sich noch im Entstehen und markiert eine erneute Verdichtung meiner künstlerischen Praxis.
Papier erscheint hier als Körper. Die seriell wiederholten Elemente erzeugen Bewegung im Stillstand: Wogen, Wirbel, Drift. Richtung, Gravitation und Kipppunkt werden nicht dargestellt, sondern räumlich erfahrbar gemacht. Der Blick folgt der Neigung, verliert sich, findet ein Zentrum und wird erneut abgelenkt.
Das Spannungsfeld entsteht aus einer intuitiven Annäherung an das Material. Erst im Tun verdichten sich Fragen nach Ordnung und Auflösung, nach Halt und Bewegung. Wiederholung wirkt hier nicht stabilisierend, sondern dynamisch.
Die Arbeit entsteht in einer Phase körperlicher Stabilisierung. Der Schaffensprozess wird als heilsam erfahren, als Rückgewinnung des eigenen künstlerischen Ichs. Papier in Bewegung bündelt zentrale Motive meines Werks – Serialität, Fragilität, Sog und Verbindung – und öffnet zugleich einen neuen Raum für Weiterarbeit.
Werksreihe 13 (2025–2026)
Papier · Membran · Rückzug
In dieser Werkreihe rückt Papier explizit als Membran in den Fokus: als schützende, überziehende und zugleich durchlässige Schicht. Formen und Linien werden reliefartig aufgebaut und mit dünnen Papieren und Kleister überspannt. Die Oberfläche wirkt milchig, verhüllt und reduziert Sichtbarkeit, ohne sie vollständig zu entziehen.
Papier fungiert hier als Haut und psychischer Speicher. Es überdeckt, schützt und hält Abstand. Organische Formen erinnern an Zellen, Hüllen oder Rückzugsräume. Linie wird haptisch, Raum tastbar. Sichtbarkeit wird nicht gesteigert, sondern bewusst gedämpft – Schutz entsteht durch Verhüllung.
Rückblickend markieren sie weniger ein Ergebnis als ein Prüf- und Übergangsfeld: ein Weiterdenken zentraler Motive – Membran, Schutz, Rückzug – ohne deren formale Konsequenzen bereits vollständig einzulösen.
Werksreihe 12 (2024)
Papier · Ordnung · Studie
Diese Werkreihe knüpft formal an frühere Arbeiten mit seriellen Ordnungen an und überträgt sie auf das Medium von Papier und handgenähtem Faden. Kleine Quadrate aus festem Papier bilden ein einheitliches Format. Bunte Garne werden in klaren Richtungen geführt, überlagern sich, kreuzen einander und erzeugen Muster, Rhythmen und Spannungen.
Im Zentrum stehen Fragen nach Ordnung, Balance und Wiederholung. Richtung und Reihenfolge sind präzise gesetzt, Abweichungen entstehen innerhalb eines engen Systems. Der Faden fungiert als Linie und als Verbindung zugleich, seine Führung bleibt sichtbar und nachvollziehbar. Drift und minimale Verschiebungen unterbrechen die Strenge der Anordnung.
Rückblickend bleiben die Arbeiten bewusst im Status von Studien und Prototypen. Sie markieren ein erneutes Annähern an zentrale Fragestellungen – Serialität, Ordnung und Rhythmus – ohne sie bereits vollständig einzulösen.
Werksreihe 11 (2022–2023)
Papier · Naht · Körper
Auf Papier und Stoff werden mit der Nähmaschine Linien aus Garn gesetzt. Die Formen entstehen aus gelenktem Zufall unter der Nadel: organische Kreise, Überlagerungen und Verdichtungen, die an Zellen, Körperinneres oder verletzte Haut erinnern. Die Linie ist hier nicht gezeichnet, sondern genäht – sie durchdringt den Träger, hinterlässt Einstiche und ist unumkehrbar.
Faden fungiert als verbindendes und zugleich verletzendes Element. Jede Naht ist eine Entscheidung, die nicht zurückgenommen werden kann. Wiederholung findet im Prozess statt, nicht im Ergebnis. Farbe tritt behutsam hinzu, ohne dekorativ zu werden.
Papier und Faden ist weniger Abschluss als Anfang – ein tastender Schritt in ein erneuertes künstlerisches Denken, das Verletzbarkeit nicht verdeckt, sondern integriert.
Werksreihe 10 (2021)
Bild · Serie · Struktur
Der Fokus liegt auf Mustern, Wiederholung und Rhythmus. Bewegung und Stillstand überlagern sich in den Bildern, funktionale Strukturen werden aus ihrem Zweck gelöst und als abstrakte Ordnungen sichtbar. Licht und Schatten modellieren Oberflächen, Kanten und Zwischenräume. Schwarz und Weiß verdichten die Wahrnehmung und lenken den Blick auf Struktur.
Die Arbeit ist stark intuitiv angelegt. Motive werden nicht gesucht, sondern gefunden. Serien entstehen aus der Wiederholung des Blicks, aus dem Beharren auf Details. Die Nähe zur sachlichen Fotografie ist bewusst gesetzt.
Rückblickend erweitert diese Reihe meine material- und strukturbezogene Praxis um ein anderes Medium. Sie zeigt, dass sich mein zentrales Interesse an Ordnung, Serialität und Fragilität auch dort entfaltet, wo Material nur vermittelt, nicht körperlich präsent ist.
Werksreihe 9 (2020)
Papier · Transparenz · Raum
Diese Werkreihe ist ortsspezifisch für einen Raum in der Villa Zanders konzipiert. Sechs bis acht Meter lange Bahnen aus Japanpapier hängen frei im Raum. In sie sind mit der Nähmaschine feine schwarze Linien eingenäht, die an ein Gradnetz erinnern – an Koordinaten, Orientierungssysteme und das Vermessen von Welt.
Papier erscheint hier nicht als Fläche, sondern als durchlässiger Körper. Transparenz, Licht und Schatten bestimmen die Wahrnehmung. Die genähten Linien oszillieren zwischen Zeichnung, Struktur und Muster. Je nach Blickpunkt verdichten sie sich oder lösen sich auf. Der Raum wird Teil der Arbeit, Bewegung verändert das Bild.
Die Arbeit entsteht kurz vor des Ausbruchs der Pandemie. Umso stärker wirkt ihre ruhige Präsenz. Papier in Transparenz ist eine Hommage an das Gebäude als Ort der Inspiration – und markiert eine Konzentration auf das Wesentliche: Linie, Raum, Beziehung und Durchlässigkeit.
Werksreihe 8 (2019–2021)
Struktur · Netz · Beziehung
Diese Werkreihe markiert einen bewussten Schwerpunktwechsel: Nicht mehr das Material, sondern ein abstraktes Thema bildet den Ausgangspunkt. In Zeichnungen, Fotocollagen, Organigrammen, Drucken sowie Raum- und Soundinstallationen werden Netzwerke als Ordnungs- und Beziehungssysteme untersucht.
Netze erscheinen als Gitter, Wege, Knoten und Zwischenräume. Sie strukturieren Blickrichtungen, organisieren Informationen und erzeugen Bedeutung durch Verbindung. Form, Funktion und Symbol greifen ineinander. Text und Bild, Sprache und visuelle Struktur werden gleichwertig behandelt; Sprache wird zum künstlerischen Material.
Die Arbeiten sind stark konzeptuell angelegt. Klare Systeme, reduzierte Mittel und präzise Setzungen bestimmen den Prozess. Intuition tritt zugunsten analytischer Entscheidungen zurück. Gleichzeitig bleibt die Frage nach Durchlässigkeit zentral: Wo wird Ordnung stabil, wo beginnt sie, sich aufzulösen?
In Rauminstallationen werden Netze körperlich erfahrbar. Sie definieren Wege, versperren sie oder laden zum Durchqueren ein. Der Blick ist stets Teil des Systems.
Rückblickend erweitert diese Reihe meine materialbasierte Praxis um ein strukturelles Denken. Sie schärft das Verständnis von Ordnung als relationalem Gefüge – und von Verbindung als fragile, ständig neu auszuhandelnde Größe.
Werksreihe 7 (2017–2018)
Papier · Ordnung · Quadrat
Diese Werkreihe bildet einen zentralen Verdichtungspunkt meiner künstlerischen Entwicklung. Ausgangspunkt ist ein einfaches, streng gesetztes Format: kleine Quadrate aus Papierbrei, geformt in identischen Milchtüten. Die äußere Gleichheit erzeugt ein Ordnungssystem, innerhalb dessen Materialprozesse wirken können.
Im feuchten Zustand werden den Papierquadraten unterschiedliche Materialien beigemischt. Sie reagieren, färben ab, verändern Oberflächen und Strukturen. Zufall und Reaktion schreiben sich dauerhaft ein. Trotz serieller Reihung gleicht kein Element dem anderen. Wiederholung erzeugt Rhythmus, nicht Gleichförmigkeit.
Die Quadrate werden zu großformatigen Wandarbeiten mit bis zu 225 Elementen, zu gestapelten Körpern oder auf Glas montiert, wo besonders die ausgefransten Ränder und Übergänge sichtbar werden. Oberfläche wird hier zur Trägerin von Zeit, Prozess und Widerstand.
Konzept entsteht aus Intuition und genauer Beobachtung des Materials. Papier fungiert nicht als neutrales Medium, sondern als handelnder Akteur. Ordnung wird gesetzt, um ihre Fragilität erfahrbar zu machen.
In dieser Reihe bündeln sich meine leitenden Phänomene: Serialität, Reduktion, Materialität und das Arbeiten an Übergängen. Die Arbeit markiert eine neue Tiefe und Klarheit – und ein starkes Gefühl von Übereinstimmung zwischen Haltung, Material und Form.
Werksreihe 6 (2018)
Papier · Hülle · Einschluss
Diese Werkreihe führt ein bereits vertrautes Material neu ein: Wachs. Papier, Wachs und weiße Farbe werden geschichtet, überzogen und teilweise eingeschlossen. Die Arbeiten sind stark monochrom und bewegen sich im Spannungsfeld von Transparenz und Abstoßung, Oberfläche und Einschluss.
Im Zentrum steht die Reaktion der Materialien aufeinander. Wachs legt sich schützend und zugleich versiegelnd über das Papier, macht es sichtbar und entzieht es zugleich dem Zugriff. Weiß fungiert dabei nicht als Farbe, sondern als Zustand: als Hülle, Neutralisierung und Verdichtung. Entscheidend ist die Integration des Materials in bestehende Denk- und Arbeitsprozesse – ein Schritt, der spätere Arbeiten vorbereitet.
Werksreihe 5 (2018)
Papier · Verletzung · Komposition
Diese Werkreihe entsteht aus der bewussten Auseinandersetzung mit Collage und Décollage als Technik und Haltung. Ausgangspunkt sind weiße Papiere, getränkt mit schwarzer Tusche und teilweise Rot, die geschnitten, gerissen, abgelöst und neu zusammengesetzt werden. Aufbau und Zerstörung greifen ineinander.
Wiederholung, Variation und Überlagerung bestimmen den Arbeitsprozess. Eingriffe hinterlassen Spuren von Verletzung und Veränderung. Komposition entsteht aus dem Umgang mit Fragmenten. Ordnung wird immer wieder hergestellt – und im nächsten Schritt dekonstruiert. Papier zeigt sich hier als empfindlicher Körper, der Eingriffe speichert und sichtbar macht.
Werksreihe 4 (2016)
Bild · Oberfläche · Annäherung
Die Fokus der fotografischen Werkreihe liegt auf Nahaufnahmen, die organische Formen, Oberflächenstrukturen, Muster und Farbverläufe untersuchen. Fotografie wird hier als Mittel der Annäherung eingesetzt: als genaues Hinsehen, Isolieren und Verdichten.
Wiederholung und serielle Motivsuche spielen eine zentrale Rolle. Alltägliche Materialien, Körperdetails oder gefundene Strukturen werden aus ihrem Kontext gelöst und in eine neue Ordnung überführt. Licht und Abstand bestimmen, wie Formen lesbar werden, Oberfläche wird zur Bildfläche.
Rückblickend bildet diese Reihe eine wichtige Ergänzung zur materialbasierten Praxis. Sie schärft den Blick für Struktur, Wiederholung und Detail und vertieft das Verständnis von Oberfläche als eigenständigem Phänomen – ein Sehen, das später in die Arbeit mit Papier und körperhaften Materialien zurückführt.
Werksreihe 3 (2016)
Papier · Materialzustand · Experiment
Ausgangspunkt für diese Werksreihe ist das Experiment mit Papier, Pulpe und deren Kombination mit anderen Materialien.
Intuition und Materialbegegnung führen hier zum Konzept, nicht umgekehrt. Papier wird als formbares, widerständiges und speicherndes Material erfahrbar. Durch Reduktion, Monochromie und Abstraktion rücken Materialästhetik und Oberflächenstrukturen in den Vordergrund. Organische Formen entstehen aus Prozessen des Aufbaus, der Verdichtung und der Veränderung.
Die Arbeiten bewegen sich zwischen Kontrolle und Geschehenlassen. Eingriffe werden gesetzt, zurückgenommen, wiederholt. Ordnung entsteht aus dem Prozess und bleibt jederzeit fragil. Papier fungiert nicht mehr als Bildträger, sondern als Körper und Oberfläche.
In dieser Reihe verdichten sich erstmals zentrale leitende Phänomene meines späteren Werks: Material als Akteur, Reduktion als Verdichtung und das Arbeiten an Übergängen. Die Arbeiten spiegeln eine neue Haltung wider, geprägt von Mut, Offenheit und Vertrauen in den Materialprozess.
Werksreihe 2 (2015 / 2017)
Papier · Spur · Wiederholung
Diese Werkreihe markiert eine deutliche Öffnung gegenüber dem Material und dem Prozess. Hoch- und Tiefdrucke mit organischen Formen, Linien und Mustern entstehen aus experimentellen Auseinandersetzungen mit der Drucktechnik. Der Schwerpunkt liegt weniger auf dem Motiv als auf dem Tun: auf Wiederholung, Überlagerung, Spur und Ausbreitung.
Linien werden verletzt, verdichtet oder unterbrochen. Druck hinterlässt Spuren von Kontakt, Widerstand und Reibung. Licht und Schatten, Positiv und Negativ verschieben sich durch serielle Prozesse und technische Variationen. Ordnung entsteht nicht aus Planung, sondern aus der Wiederholung des Versuchs.
Rückblickend markieren die Arbeiten den Beginn eines prozessualen Denkens, das das spätere Werk prägt.
Werksreihe 1 (2014–2016)
Papier · Suche · Legitimation
Diese frühe Werkreihe zeigt bereits ein deutliches Interesse an Oberflächenstrukturen, Materialität und Verbindungen. Muster, serielle Elemente und körpernahe Formen treten wiederholt auf. Material wird untersucht, jedoch stark kontrolliert, Prozesse folgen klaren Konzepten.
Rückblickend markieren diese Arbeiten einen notwendigen Ausgangspunkt. Trotz ihrer Enge lassen sich zentrale Motive erkennen, die später weitergeführt werden: das Arbeiten an Oberfläche, das Interesse an Übergängen und das Bedürfnis, Ordnung dort zu halten, wo sie fragil wird.